Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing - erkennen, eingreifen, verhindern
CYBER-MOBBING SUCKS!

Heutzutage können wir mit Hilfe unserer Smartphones jederzeit online sein und uns dauerhaft mit anderen vernetzen. Aber grade dieser Vorteil des Internets, wird bei Cyber-Mobbing zum großen Nachteil…

Wird jemand systematisch, wiederholt und über einen längeren Zeitraum fertiggemacht, beleidigt, belästigt oder ausgegrenzt, dann ist das Mobbing. Passiert das Ganze im Internet und über Messanger Dienste, wie z.B. WhatsApp & Co. ist das Cyber-Mobbing!

Generell gilt: (Cyber-)Mobbing kann jede*n treffen! Opfer sind dabei niemals schuld! (Cyber-)Mobbing ist mehr als ein Spaß, Streich oder ein Kavaliersdelikt.

(Cyber-)Mobbing ist strafbar. Häufig verstoßen die Täter*innen sogar direkt gegen verschiedene Gesetze.

In diesem Themenblock erfährst du bei #digitaleselbstbehauptung, welche Möglichkeiten es gibt auf Online-Attacken zu reagieren, wie man sich und andere schützen sowie unterstützen kann und wo man Hilfe findet!

 

Was ist Cyber-Mobbing?

„Was ist Cyber-Mobbing?“

Cyber-Mobbing (oder Cyber-Bullying) sind z.B. Beleidigungen, Bedrohungen, Bloßstellungen oder Belästigungen im Netz.

Zwar geht man in der Regel davon aus, dass sich systematisches Mobbing über einen längeren Zeitraum erstreckt und es zu wiederholten Attacken gegen eine Person kommt, doch gerade im Netz können auch einmalige Attacken weitreichende und langfristige Auswirkungen für die Betroffenen zur Folge haben. Hier kann ein einziges (unüberlegt) veröffentlichtes Bild oder Video binnen kürzester Zeit eine enorme Reichweite erzielen, wodurch die Situation schnell „außer Kontrolle“ geraten kann – sowohl für Betroffene als auch „Täter*innen“.

Die Täter*innen („Bullys“) suchen sich häufig ein Opfer, das sich nicht oder nur schwer gegen die Übergriffe zur Wehr setzen kann. Das Opfer wird sozial isoliert und fühlt sich einsam und hilflos. Oft kennt das Opfer die Täter*innen aus der analogen Welt – daher geht Cyber-Mobbing oft mit Mobbing in der Offline-Welt einher. Deshalb sind Mobbing und Cyber-Mobbing häufig nicht scharf voneinander zu trennen.

Da jede*r von uns Merkmale oder Eigenschaften an sich trägt, die zum Aufhänger für Attacken werden können, kann (Cyber-)Mobbing jede*n treffen!

Hier sind ein paar Zahlen und Fakten aus der JIM-Studie 2019/2020, die dies untermauern:

  • 8% der jugendlichen Internetnutzer*innen zwischen 12 und 19 Jahren haben angegeben, selbst bereits Opfer von Cyber-Mobbing gewesen zu sein.
  • 31% der Befragten kennen jemanden im Bekanntenkreis, der durch Cyber-Mobbing fertiggemacht wurde.
  • Von jedem Fünften der Jugendlichen wurden schon einmal falsche oder beleidigende Sachen per Handy oder im Internet verbreitet.
  • Die Tendenz ist steigend.

(www.mpfs.de/studien)

 

Wie erkenne ich Cyber-Mobbing?

„Wie erkenne ich Cyber-Mobbing?“

(Cyber-)Mobbing kann ganz unterschiedlich aussehen und von Verleumdung über Belästigungen bis hin zu sozialem Ausschluss und direkter Gewalt führen.

Egal ob über Smartphones, Websites, Chats, Foren oder Communities – das Ziel ist es immer, die Betroffenen nachhaltig zu schädigen oder zu demütigen – sei es aus Rache, wegen eines persönlichen Konflikts, aus Langeweile, um sich ‚cool und mächtig zu fühlen‘ oder weil die Täter*innen damit eigene schlechte Erfahrungen kompensieren wollen.

Im folgenden geben wir dir beispielhaft einen Überblick wie vielfältig Mobbing-Attacken sein können:

  • Verbales Mobbing:
    Verspotten, Verbreiten von Gerüchten (Verbreiten von Gerüchten über Internet- und Mobiltelefondienste an einen großen Personenkreis),Beleidigungen, gemeine Kommentare, Kichern, etc.
  • Physisches Mobbing:
    Schläge, Stoßen, körperliche Gewalt, Gewaltandrohungen etc.
  • Ausschluss aus einer Gruppe:
    Bewusster Ausschluss von sozialen Aktivitäten, Gruppen, Chats etc.
  • Schikane:
    Wiederholtes senden von beleidigenden und verletzenden Nachrichten über E-Mail, SMS, Messenger oder in Chats.
  • Bloßstellen:
    Informationen, die ursprünglich im Vertrauen einer bestimmten Person zugänglich gemacht wurden, werden an weitere Personen gesandt, um das Opfer zu demütigen.

Für das Internet hat die TU Berlin in einer Studie (2015) u.a. folgende Formen von Cyber-Mobbing beschrieben:

  • Cyberstalking: Fortwährende Belästigung / Verfolgung
  • Cyberthreat: Androhung von körperlicher Gewalt
  • Exclusion: Sozialer Ausschluss
  • Flaming: Gegenseitiges Provozieren, Beschimpfung
  • Happy Slapping: Online-Veröffentlichung entwürdigender Fotos / Videos
  • Harassment: Wiederholte Belästigung und Schikane
  • Impersonation: Identitätsdiebstahl

(Quelle: www.juuuport.de/ratgeber/cyber-mobbing#c1520)

Unabhängig von der Vielzahl an Erscheinungsformen gilt: Höre auf dein Gefühl!

Sobald du nicht mehr über vermeintliche „Späße“ lachen kannst, dich unwohl, beleidigt, bedroht oder ungerecht behandelt fühlst, oder du mitbekommst, dass so etwas jemand anderem passiert – sprich es an oder hole dir Hilfe!

Was du tun kannst um dich und andere zu schützen und zu verteidigen, haben wir dir im weiteren Verlauf zusammengefasst.

 

Cyber-Mobbing - Was kann ich tun?

„Was kann ich gegen Cyber-Mobbing tun?“

Wenn du mitbekommst, dass jemand gemobbt wird, mach nicht mit und schau nicht weg!

Sobald du das Gefühl hast, dass etwas Ungerechtes passiert oder du etwas siehst, was nicht ok ist – greife ein! Zeig den Betroffenen, dass sie auch online nicht alleine sind. Mache den Angreifern z.B. mit Kommentaren klar, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist und du nicht ihrer Meinung bist!

Eingreifen erfordert Mut! Wenn du dich damit unwohl fühlst, nicht genau weißt, wie du helfen kannst, oder Angst hast, dich selbst in Gefahr zu bringen, wende dich an eine Vertrauensperson aus in deinem Umfeld und versuche eine Lösung zu finden.

Zusätzlich kannst du in sozialen Netzwerken Postings, Kommentare, Bilder etc. melden, damit diese möglichst schnell von den Plattformen entfernt werden. (Die gemeldeten Personen sehen das nicht!)

Wie kannst du dich selbst vor Attacken schützen?

Zwar kann sich niemand generell vor Angriffen absichern, aber trotzdem kannst du einiges tun:

  • Informiere dich vor Anmeldung / Download über das Netzwerk / die App, die AGBs und die Privatsphäre-Einstellungen. Diese solltest du unbedingt kennen und vornehmen:
    • Stelle dein Profil so ein, dass nur Freund*innen es sehen können und überlege gut, wen du auf deine Freundesliste lässt.
    • Einige Apps bieten dir außerdem die Möglichkeit Kommentare zu filtern.
  • Stelle keine Informationen/ Bilder/ Videos online, die dir später unangenehm sein könnten und achte auch auf die Bildrechte anderer.
  • Gib deine Passwörter nicht weiter.
  • Wenn du Streit hast: trage Konflikte nicht online aus, sondern suche möglichst den persönlichen Weg.
  • Achte sowohl online als auch offline auf die Rechte und die Gefühle anderer.
  • Schreibe also nichts Schlechtes über andere (z.B. Mitschüler*innen oder Lehrer*innen).
  • Durch regelmäßige „Selbstsuche“ weißt du, was über dich im Netz gespeichert ist.
  • Hole dir Hilfe, wenn dich jemand beleidigt oder wenn jemand komische Anfragen macht.
  • Greif ein und hole Hilfe, wenn du etwas mitbekommst, das nicht ok ist! 

 

Cyber-Mobbing - Du bist betroffen?

 „Du bist betroffen?“

Auch wenn es sicher schwer fällt – erstmal solltest du „ruhig“ bleiben und auf Provokationen nicht reagieren und auf Nachrichten nicht antworten! Denn das ist es, was die Täter*innen erreichen wollen und sie anspornt…

Des Weiteren gilt dieser Schritt für Schritt Plan:

1. Sichere Beweise (schreib deine Erlebnisse auf, mache Fotos oder Screenshots).

2. Du bist nicht allein und solltest die Sache nicht versuchen allein zu lösen. Vertraue dich jemandem an: Eltern, Lehrern, Geschwistern, Freunden oder anderen Vertrauenspersonen. Oder schildere die Situation unabhängig/ anonym. Hierfür gibt es Ansprechpartner*innen und Beratungsstellen für Jugendliche in deiner Stadt und Online-Hilfeportale (wie die Nummer gegen Kummer oder Juuuport.de) im Internet.

3. Melden, blockieren, Seite um Löschung bitten. Also Spuren im Internet löschen (Provider)! Kontakt zum Dienstanbieter bzw. der Plattform aufnehmen.

4. Bei Identitätsklau: Passwort ändern, neuer Mail-Account!

5. Setze dich mit dem/der Täter*in in Kontakt: Kontaktiere die Person, die leichtfertig Bilder oder andere Inhalte ohne deine Zustimmung veröffentlicht hat und fordere eine Entfernung!

Falls das alles nicht hilft und die Attacken nicht aufhören, solltest du dir rechtliche Unterstützung holen und ggf. Anzeige bei der Polizei erstatten.

Zwar ist Cyber-Mobbing nicht direkt strafbar, aber verschiedene Handlungen können rechtlich verfolgt werden und können für den oder die Täter*innen zivil- und strafrechtliche Folgen haben. In vielen Fällen verstoßen die Täter*innen gleich gegen verschiedene Gesetze und machen sich somit strafbar.

6. Hole dir rechtliche Hilfe (Anwalt, Polizei)
Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten zu handeln:

• Rechtsbeistand oder Strafverfolgungsbehörde kontaktieren und „offizielles Schreiben, Abmahnung oder Ansprache“ veranlassen. (Hier ist es wichtig: Beweise sichern und detailgenau zu protokollieren!)

• Strafanzeige bei der Polizei stellen

• den zivilrechtlichen Weg beschreiten: Unterlassungsklage, einstweilige Verfügung und Geltendmachung von Schadensersatz in Form von Schmerzensgeld.

Wie reagiert wird, sollte von der Größenordnung der Persönlichkeitsrechtsverletzung und den Verletzungen/ Auswirkungen für die betroffene Person abhängig gemacht werden. Um das besser einzuordnen, kann man auch erst einmal eine Beratung in Anspruch nehmen.

  • In unserem Video sind die Tipps nochmal zusammengefasst und du bekommst einen Einblick, welche Folgen es für die Täter*innen haben kann, wenn es zu einer Anzeige kommt:


 

Cyber-Mobbing - Infos, Tipps, Hilfe

„Wo finde ich Hilfe?“

Wenn du selbst Betroffen bist oder einen Vorfall einordnen möchtest, kannst du dich an verschiedene Anlauf- und Beratungsstellen wenden.

In Solingen kannst du dich z.B. direkt beim vorbeugenden Jugendschutz der Jugendförderung Solingen melden. Hier kann dir geholfen werden, einen Vorfall einzuordnen und dir bei Bedarf eine passende Beratungsstelle empfohlen werden. Außerdem bietet die Jugendförderung Workshops und Informationsveranstaltungen zum Umgang mit (Cyber-)Mobbing und Persönlichkeitsrechten im Internet für Klassen und andere Gruppen an.

Jugendförderung Solingen
Dorper Straße 10-16
42651 Solingen
www.jugend-solingen.de

Ansprechpartnerin:
Patricia Bennertz
Tel.: 0212 290 2757
Mail: p.bennertz@solingen.de

Online Beratung und Unterstützung:

  • Juuuport: Online-Beratung von jungen Leuten für junge Leute
    www.juuuport.de/beratung
  • Nummer gegen Kummer: kostenloses, anonymes Kinder- und Jugendtelefon (Tel. 116111) und Online-Beratung per Mail oder Chat
    www.nummergegenkummer.de
  • bke-Jugendberatung: Onlineberatung durch Fachkräfte per Mail, Chat, Forum
    www.bke-jugendberatung.de
  • HateAid: Beratungsstelle für Betroffene digitaler Gewalt
    www.hateaid.org
  • Save me Online: Beratung, Hilfe und Unterstützung bei Anmache im Netz, (Cyber-)Mobbing, Problemen mit Sexting, sexuellem Missbrauch, Zusendung von Pornos oder anderen sexuellen Übergriffen (anonymes, kostenfreies Hilfetelefon: 0800 22 55 530)
    www.save-me-online.de und www.hilfetelefon-missbrauch.de

Quellen, weiterführende Links und Infos: